Das wundervolle Pferdehaar

Meine Liebe zum Pferdehaar
Oh, wie habe ich es geliebt, das Schweif‑ und Mähnenhaar meiner Pferde zu verlesen, zu bürsten und hin und wieder die Mähne zu flechten. Heute halte ich Schweif‑ und Mähnenhaare nur noch in den Händen, um daraus ein Schmuckstück zu fertigen.
Wenn Pferde in die Jahre kommen, erreichen mich oft Anfragen ihrer Besitzer, ein Armband aus Schweif‑ oder Mähnenhaaren anfertigen zu lassen.
Die besondere Stärke von Pferdehaar
Pferdehaar – besonders Mähnen‑ und Schweifhaar – ist bekannt für seine Festigkeit. Viele denken sofort an den Geigenbogen, wenn sie an Rosshaar denken.
Wusstest du dass?
Die langen Haare wurden früher vor allem zur Herstellung der von Frauen und Männern des Adels getragenen Perücken verwendet. Die kurzen Haare wurden zu Zöpfen gedreht (Krull‑ oder Krollhaar genannt) und als Polstermaterial genutzt – etwa für Matratzen, Rosshaarkissen, Reitsättel oder als Einlage in der Schneiderei. Auch mittelalterliche Kleidungsstücke wie die spanische Melonenhose waren häufig mit Rosshaar gefüllt. Es wurden sogar Decken aus reinem Rosshaar gewebt. Siebmacher verarbeiteten es, in der Fischerei fertigte man daraus Angelschnüre. Bis heute wird Rosshaar als klassisches Polstermaterial geschätzt – durch Heißdampfbehandlung erhält es zusätzliche Sprungkraft. Ebenso wird es für Bürsten und Rosshaarbesen verwendet und bleibt Kunstfasern in seiner Fähigkeit zur Wiederaufrichtung überlegen. (Quelle: Wikipedia)
Wie Rosshaar vorbereitet wird
Bevor Rosshaar verwendet werden kann, wird es je nach Einsatz vorbehandelt.
- Zur Polsterung wird es mindestens zwei Stunden in Lauge gekocht – das reinigt und desinfiziert.
- Anschließend werden die Stränge gedreht, um eine Wellung zu erzeugen.
- Durch Dampf entsteht eine Kräuselung.
- Danach werden die Haare „zerrissen“ – aus einem Strang wird ein fluffiges Haarknäuel. Moderne Verfahren verkürzen diesen Prozess heute deutlich.
Rosshaar und seine besonderen eigenschaften
Rosshaar kann bis zu 25 % Feuchtigkeit aufnehmen, ohne sich nass anzufühlen. Deshalb ist es in der Matratzenherstellung so beliebt – besonders für Menschen, die nachts viel schwitzen. Es sorgt für ein angenehmes Schlafklima.
Nachhaltigkeit und Schmuckherstellung
Viele frühere Einsatzbereiche wurden inzwischen durch Kunststoffe ersetzt, oft aus Kostengründen. Doch im Zuge von Nachhaltigkeit und ökologischem Bewusstsein erleben Naturmaterialien eine Renaissance.
Dank seiner Festigkeit eignet sich Pferdehaar hervorragend zur Schmuckherstellung.
Für ein geflochtenes Armband benötigt man etwa einen fingerdicken Strang – aber auch mit deutlich weniger Haaren lässt sich ein wunderschönes Schmuckstück fertigen.
Wie ich Pferdehaar verarbeite
Ein Haarstrang wird von mir sorgfältig verlesen. Das bedeutet: Ich sortiere nur die Haare heraus, die die benötigte Länge haben. Oft bleibt nur etwa die Hälfte des Strangs übrig.
Zur Reinigung verwende ich Olivenseife – sie hält das Haar dauerhaft geschmeidig.
Nur gleichlange Haare zu verarbeiten sorgt für ein gleichmäßiges, hochwertiges Ergebnis. Unterschiedliche Längen würden herausstehen und könnten pieksen.
Ein kleines Beispiel aus meiner Werkstatt

Eine Kundin konnte einmal nur sechs Schweifhaare heimlich von dem Pferd ihrer Freundin ergattern. Mit ein paar schönen Perlen verziert entstand daraus ein zartes, liebevolles Armband.
Wenn auch du ein Andenken an dein Pferd möchtest, wirst du an einem Armband aus Pferdehaar lange Freude haben.
